Den Sommer im Glas festgehalten

Servus Ihr Lieben!

Laaaaaaaange, lange ist es her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Viiiiiiiiel hatte ich in den letzten Monaten um die Ohren. Viele neue Projekte an denen ich mich ausprobiert habe…

Und nun bin ich wieder hier! Und ich freue mich so auf Euch!

Und weil wir gerade alle den Sommer des Jahrhunderts erleben dürfen, dachte ich mir ich muss doch möglichst viel davon für den Winter in den Keller steller – ein bisschen wie bei Frederick, das wunderschöne Bilderbuch von Leo Lionni. Wer kennt’s? Die ein oder andere Marmelade habe ich bereits gekocht und jetzt musste ich mich mal an die Tomaten ranmachen. Es hatte gerade für 2-3 Tage abgekühlt und so nutzte ich sofort die Gelegenheit mich in meine kleine Küche zu stellen. Da meine Küche nicht besonders groß ist, erwärmt sie sich besonders schnell sobald man darin werkelt und das kann ganz schön hart sein…

Aber nun mal ran an die Tomaten! – Bestimmt sagten das auch meine Oma und meine Mutter als sie sich früher an die Riesenmengen Tomaten machten die sie jedes Jahr angepflanzt hatten. Tomatenstock für Tomatenstock musste abgeerntet werden. Wannenvoll trug man die herrlich sonnengereiften Tomaten in den Hof um sie dort zu waschen, zu putzen und weiterzuverarbeiten. Es gibt sogar ein Foto davon wie meine Mutter fröhlich auf einem kleinen Schemel im Hof sitzend Tomaten putzt (mit original 80er Jahre Dauerwelle natürlich 😉). Meine Mutter und meine Oma kochten literweise die Tomaten in Flaschen ein. Für den Winter. Wie bei Frederick. Und der Fleiß zahlte sich aus, denn man konnte den ganzen Winter lang davon zehren. Für viele Gerichte wurde dann diese herrliche Tomatenbouillon benötigt. Ich erinnere mich noch genau an eines meiner Lieblingsgerichte das ich bei meiner Oma gegessen hatte und das ich mir immer wünschte wenn sie mich fragte, was sie mir zu Essen machen sollte: „breite, weiße Bohnen (auch diese wurden in Gläser für den Winter eingeweckt) in Paradeissauce“. Mhhhhhhhhh, mir läuft gerade das Wasser im Munde zusammen und ich kann nun ganz genau diesen Geschmack auf meiner Zunge spüren. Herrlich, Kindheit! Falls Ihr Euch über den Begriff „Paradeis“ wundert – so sagten wir – und auch alle Banater Schwaben zu Tomaten.

So und nun zu meinen Tomaten. Dieses Jahr hatte ich in meinem Garten nur 3 Stöcke Tomaten gepflanzt, aber ca. 5-6 Kilo Tomaten geerntet. Unglaublich! Danke Supersommer! Diese Tomaten habe ich, wie ich es von Mama kenne, bereits eingeweckt. Und dann hatte ich so viel Freude am Tomateneinkochen, dass ich nach einer weiteren Tomatensaucenzubereitungsart zum Einkochen gesucht hatte und dabei über das Rezept einer meiner Lieblingsköche, dem Mälzers Tim 😉, stolperte. Er hat es nicht zum Einkochen gedacht – ich aber schon. Und so habe ich mein eigenes Rezept daraus gemacht. Danke Tim!

Also ab zum Selbsterntefeld und Tomaten ernten. Herrlich! Eine schöner als die andere und von reichlich Sonne verwöhnt. Ich erntete drei kg schönste, reife Cherrytomaten und kaufte noch zwei kg Kochtomaten dazu. Kochtomaten sind nicht mehr gaaaaanz so schöne Tomaten, die nicht mehr für den vollen Preis verkauft werden können und die keiner mehr möchte. Was? Tomaten die keiner mehr möchte? Na dann bin ich doch gerade richtig um sie zu retten. Ja, lacht nur, ich habe auch mit Tomaten Mitleid!

Zu Hause angekommen wurden dann gleich:

  1. die Tomaten geputzt
  2. die Tomaten gewaschen
  3. die Tomaten halbiert
  4. der Strunk der Tomaten herausgeschnitten (ja, auch von den Cherrytomaten!)

OHNE FLEISS KEIN PREIS! (Einer der vielen Sprüche die mir aus meiner Kindheit mitgegeben wurden.)

So, und nun kommt die Tim Mälzer Methode:

  1. Ein Backblech mit ca. 1 EL Zucker dünn bestreuen und dann die Tomaten mit der Schnittfläche auf das Blech legen. Schön eng, macht Sinn!
  2. Das Backblech nun für ca. 12-15 Minuten, in den vorgeheizten Backofen, bei Ober- und Unterhitze und 250 Grad, so lange backen bis die Tomaten beginnen Farbe anzunehmen.
  3. Nach dem Backen, die Haut der Tomaten abziehen. Das geht normalerweise ganz einfach. Nur mit den Fingern abziehen.
  4. Alle fertigen Tomaten in eine große Reine geben. Bei mir waren das insgesamt knapp 4 Backbleche.
  5. Folgendes zu den Tomaten geben: 1 gestrichenen EL Meersalz, 10 EL gutes Olivenöl, reichlich frische Thymianblättchen (je nach Gusto), 2 Zweige Rosmarin, etwas Pfeffer.
  6. Die Tomaten mit dem Kartoffelstampfer grob zermatschen. Darauf achten, dass die Rosmarinzweige ganz bleiben.
  7. Die Tomaten nun für ca. 30-40 Minuten bei 220 Grad weiter backen.
  8. Die Rosmarinzweige entfernen und die Tomaten mit dem Pürierstab fein zerkleinern.
  9. Die Tomatensauce in gut sterilisierte Gläser füllen. Gut verschließen und dann einwecken.
  10. Fertig!!!!!

 

 

 

 

 

Bei mir ergab die Menge 7 Gläser a ca. 450 ml. Damit kommen wir schon fast über den Winter 😉

Die Sauce schmeckt so herrlich nach Sommer und nach vollreifen Tomaten. Wunderbar! Ihr könnt sie entweder pur zu Nudeln essen oder vorher Zwiebeln, Hackfleisch und Knoblauch anbraten und mit einem Glas Tomatensauce auffüllen oder zum Gulasch kochen verwenden oder… Euch fällt bestimmt noch mehr ein!

Ich kann Euch diese Sauce wirklich ans Herz legen. Macht zwar Arbeit, schmeckt aber sehr sehr lecker! Ich bin ja mal gespannt wer sie nachkocht!

 

Seid lieb gegrüßt,

Eure Rosi

Ein Gedanke zu „Den Sommer im Glas festgehalten

  1. Eine schöne Tomaten-Geschichte Rosalinde! „Paradeissauce“ sagt alles! Und genauso mache ich auch „meine“ Tomatensauce in diesen Tagen, für den Winter eben auch 🙂 Herzliche Grüße, Katherine

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